Montag, Juli 13, 2009

500 Jahre Johannes Calvin

Am 10. Juli hatte Johannes Calvin seinen 500 Geburtstag. Darum möchte ich ihn jetzt selber sprechen lassen und bringe hier einige Ausschnitte aus einer Predigt, die er 1555 in Genf gehalten hat.

Einige Eckdaten zum Leben von Johannes Calvin:

• 10. Juli 1509 in Noyon geboren
• Juristisches Studium
• 1533 Bekehrung zu Jesus Christus
• Wanderjahre
• 1540 Heirat
• 1541 Genf
• 1564 stirbt Calvin

5. Mose 15,11: Es werden allezeit Arme sein im Lande; darum gebiete ich dir und sage, dass du deine Hand auftust deinem Bruder, der bedrängt und arm ist in deinem Lande.

Eine Lehre ist ja gut zur Regelung unseres Lebens, und so wollen wir unsere Aufmerksamkeit auf diese Sache richten. Wir sehen, wie viele Leute in übler Neugierde nach Dingen Ausschau halten, die in hundert Jahren nicht einmal eintreffen. Sie malen sich Unmögliches aus: und wenn dies passiert und wenn das passiert? So halten sie sich ihr Hirn mit unnützen Fragen in Bewegung. Unterdessen bemerken sie nicht, was vor ihren Füßen liegt. So sieht man heute viele gerade darin fehlgreifen, was leicht richtig zu entscheiden sein sollte. Sie verbinden sich die Augen und quälen sich heftig, dies und jenes zu erforschen. Frägt man sie: warum?, so kommt als Beweggrund nichts anderes heraus als eine frivole Neugierde. Halten wir also fest, dass uns unser Herr nur in dem prüfen will, was uns nützlich ist. Darum sehen wir ja in der Heiligen Schrift genau, dass Gott uns nicht mit irgendwelchen Dingen zufriedenstellen wollte, die nichts nützen, sondern er weist uns auf das, was wir tun sollen. Nehmen wir also zur Kenntnis, dass jeder schauen soll, was seine Pflicht und Aufgabe sei. Das also ist die Ermahnung dieser Stelle, dass Gott uns nicht Gesetze vorschreibt von Dingen, die uns nicht betreffen, sondern von solchen, die uns direkt angehen.

Die doppelte Prädestinationslehre (Gott hat alles vorausbestimmt: Menschen werden gerettet oder gehen verloren) von Calvin ist überholt. Aber hier in diesem Predigtabschnitt spüren wir diese Lehre in Bezug auf Arm und Reich ebenfalls.

Kommen wir also zur Sache, die heißt: »Arme wird es immer geben. Das steht da, damit wir wissen: Gott will unsere Liebe prüfen. Er wäre nämlich vermögend genug, um jedem das zu verschaffen, was er nötig hat. Nicht aus Geiz hält er seinen Tresor dicht. Warum sonst lässt Gott zu, dass es hienieden Arme gibt, wenn nicht darum, um uns Gelegenheit zu geben, Gutes zu tun? Schreiben wir es also nicht einem blinden Schicksal zu, wenn wir sehen, dass einer reich ist und ein andrer arm, sondern lasst uns erkennen, dass Gott es so disponiert und dass das nicht ohne Grund ist. Wahr ist's, wir sehen nicht gleich, warum Gott den einen reich macht und den anderen in seiner Armut sitzen lässt. Wir können davon nicht sichere Einsicht haben. Gott will vielmehr, dass wir unsere Augen oft senken und ihm die Ehre geben, die Menschen nach seinem Willen und Rat zu regieren, der über unser Begreifen hinausgeht. Sicher aber ist, dass Gott die Güter dieser Welt ungleich verteilt, um zu prüfen, wie es ums Herz der Menschen steht. Er vollzieht also eine Prüfung. Ist ein Mensch reich, so kann man gut beurteilen, wie er ist. Er hat die Mittel zu schaden, und er könnte seinen Feinden leicht lästig fallen. Wenn er nun davon absieht und gegenüber seinen Nächsten sich der Grausamkeiten enthält und nicht nach mehr gelüstet, als Gott ihm gibt, dann ist das ein Zeichen seiner Klugheit und Rechtschaffenheit, die sich ohne Gelegenheit nicht gezeigt hätte. Wenn nun ein solcher Mensch freigiebig ist und versucht, Gutes zu tun denen, die seine Hilfe nötig haben, wenn er sich nicht in Hochmut und Pomp groß macht, sondern gerade seinen Weg geht, so hat er die Prüfung gut bestanden. - Wenn dagegen ein anderer, ein Armer, in Geduld erträgt, was Gott ihm zu schicken beliebt und nicht zu Raub und Betrug Zuflucht nimmt, sosehr er auch leidet und Hartes ertragen muss, ist das wiederum eine wohlbestandene Prüfung. Halten wir fest: Das Vorhandensein von Arm und Reich ist Gottes Anordnung. So will es seine Vorsehung, und darum muss für uns feststehen: An Armen wird es nie fehlen.

Calvin der Theologe

• Bücher
• Briefe
• Prozesse
• Lieder

Kommen wir nun zur Sache: Nicht ohne Grund befiehlt Gott denen, die Güter haben, eine offene Hand zu haben für die Armen und Hungernden dieser Erde. Damit sagt er uns nämlich, dass wir ihm dienen sollen und genau, wie das zu geschehen habe: Wir sollen ihm die Ehre geben durch die Güter, die er uns reichlich schenkte. Er sendet uns die Armen gewissermaßen an seiner statt, als seine Einzieher. Und obschon unsere milde Gabe sterblicher Kreatur zugutekommt, so sieht es Gott doch so an, wie wenn wir ihm selbst in die Hand gegeben hätten, was wir einem Armen geben. Im Blick auf Gott handelt es sich bei unserem Tun nicht um Gabe, die wir ihm geben, sondern um schuldigen Dank für das Gute, das er uns erwiesen. Aber dennoch nimmt er die Barmherzigkeit, die wir unseren armen Brüdern erzeigen, an, wie wenn sie ihm selber gälte. Darum heißt es auch, dass, wer sein Ohr dem Schrei des Armen verschließt, von Gott auch nicht erhört werden wird, wenn er selber ins Schreien kommt. Auf der andern Seite aber, wenn wir barmherzig sind und die Not der Armen uns zur Hilfe antreibt, so wird Gott auch gegen uns Erbarmung erweisen und uns helfen in der Not. Darum sagt Mose hier, warum Gott befiehlt, eine offene Hand zu haben gegenüber dem Armen, der unter uns wohnt: Gott gibt sie uns, damit wir keine Entschuldigung haben und nicht sagen können: Ich weiß nicht, wo ich Gutes tun könnte. Weil unser Herr uns die Mittel gibt, Gutes zu tun, kann man keine Ausflüchte finden. Wir bleiben immer schuldig, wenn wir die Gelegenheit zur Wohltat nicht ergreifen. Unser Herr Jesus Christus wird dann noch deutlicher, wenn er sagt, dass er nicht immer unter uns sein werde, wohl aber die Armen. Er verlangt weder für sich noch für den Vater, dass man ihm wertvolle Dinge darbiete. Er will aber, dass man den Armen gebe, was man ihm anbieten wollte. Das wollen wir uns doch gut merken, dass unser Herr die Almosen für die Armen als Opfergaben für sich anschaut. Verbrauchen wir uns also nicht darin, ihm Dinge anzubieten, wie wenn er nichts erhielte aus unsern Händen, da er uns doch an die weist, die unsere Hilfe nötig haben.

Calvins Ethik:
• Keine Wucherzinsen
• Arbeit
• Disziplin
• Würde
• Sonntagsheiligung
• Bescheidenheit
• Fleiss

Wäre diese Lektion befolgt worden, so hätte die geplagte Welt nicht so viel Mühe und Geld in die irren Kulte gesteckt, wie man es heute im Papsttum sieht mit vielem Glanz und Firlefanz. Und wie? Fast scheint es, als ob Gott Freude an Malereien, Tapisserien und weitern Dummheiten habe. So hält sich die geplagte Welt geschäftig, und die Armen werden vergessen. Ganz im Gegenteil dazu sagt unser Herr Jesus, dass Gott uns in den Armen prüfen wolle, wie es um unser Herz stehe, und tun unseren Willen, ihn zu ehren. Es wäre ihm ein Leichtes, alle reich zu machen. Aber er sendet uns die Armen, damit wir zu tun hätten und zeigen können, von wem wir unseren Reichtum haben und uns Mühe geben, ihn zu brauchen, wie es Gott recht ist, ist das unser Wunsch, dann fehlt es an Gelegenheit nicht. Das ist in Kürze die Stimme, die wir aus dieser Stelle ziehen sollen.

Calvin der Politiker
• Abgeordneter der Republik Strassburg
• Genf
• Frankreich: Hugenotten

Bleibt übrig, jetzt diese Lehre zu praktizieren: Zum Ersten sollen wir, erkennen, dass Gott uns dringt, Gutes zu tun und uns anzustrengen, wenn Hunger herrscht und Teuerung. Jeder soll eher seinen Bissen teilen als zu dulden, dass andere Mangel leiden, während man im Überfluss lebt. Und wenn viele schmal tun, ein Mietjahr erwarten und mich größeren Brocken schnappen, dann erst recht sollen wir erkennen, dass Gott uns ermahnt und, wo immer wir ihm die Ehre geben mit den Gaben, die er uns anvertraute, er jetzt will, dass wir damit ernst machen. Das wäre das eine. Wo Armut und Bedürftigkeit groß werden, sollen wir erkennen, dass Gott uns damit wach rütteln will, damit wir nicht einschlafen. Er mahnt uns, wo wir faul werden, durch die Exi¬stenz der Armen daran, dass jedem von uns viele Möglichkeiten zur Hilfeleistung gegeben sind. Zum andern sollen wir beachten, dass wir Befehl und Order haben, den Bettel nicht zu dulden. Er ist nichts als ein böses Geschwür. Man hilft dem, dem man gibt, im Grunde nicht. Man verdirbt sie vielmehr, wie gesagt, und zuletzt gefällt ihnen ihre Bettelei sogar, sodass sie ihren Bettelsack mehr lieben als eine sichere Rente. So werden sie aus Spitzbuben zu Dieben. Das alles muss aber ausgeräumt werden, wenn wir nicht wollen, dass der Zorn Gottes mit unserem vollen Wissen herausgefordert und alles immer schlimmer werde. Aber wie immer es gehe, den Armen muss geholfen werden, denn den Bettel zu verbieten und kein Almosen zu geben, das heißt doch: dem Armen den Hals abschneiden. Man muss aber so helfen, dass die, die betteln und dabei offensichtlich unehrlich sind, ihr Handwerk legen müssen, denn sie schaden nur dem Nächsten und essen das Brot derer, die es nötig hätten. Wohlgemerkt! Und wie hat diese Hilfe zu geschehen? Zuerst einmal sollen die Spitäler (Armen- u. Waisenhäuser) diese Aufgabe wahrnehmen. Denn welche Schande wäre es, wenn die Güter, die für Gott und die Armen bestimmt sind, zweckentfremdet würden. Das wäre nicht nur Dieberei, sondern Sakrileg. Wir wären schlechte Haushalter, wenn wir zu andern Zwecken verwendeten, was Gott für die, die er uns vor die Schwelle gelegt, bestimmt hat. Dazu soll jeder, wo er geradesteht, nach seiner Einsicht zu helfen versuchen. Jede schaue, wo etwas schief geht, und jeder sorge nach seinem Vermögen für Abhilfe. So wird der Bettel aufhören und nicht einfach durch ein Verbot aus der Welt verschwinden, wobei die Armen ohne Hilfe bleiben und sterben vor Hunger und Durst.

Calvins Einfluss
• Reformation Schottlands
• Presbyterianische Kirche weltweit
• Reformierte

Nehmen wir endlich den Fall an, dass es nur einen Grund gebe, unserem Nächsten zu helfen, nämlich, dass wir Menschen sind. Wäre das nicht hinreichend? Das Wort Mensch fasst in sich viel Elend. Wenn ich nun einen Leidenden sehe, dann erkenne ich ja, dass auch ich allen diesen Übeln unterworfen wäre, wenn nicht Gott mich davor bewahrte. Es gibt weder Krankheit noch Armut, noch Ähnliches, das nicht auch uns zustoßen könnte. Und was ist der Grund, dass wir davon verschont sind? Die Güte unseres Gottes! Aber die Freiheit von Not und die Bevorzugung will nichts anderes, als dass wir an die denken, die Mangel leiden. Und das ist nochmals ein Zeichen der großen Güte Gottes, dass er mich nicht nur vom Leiden bewahrt, das ich beim Nächsten sehe, sondern mir auch das Zeug und die Fähigkeit gibt, Abhilfe zu schaffen. Das sollte uns doch anspornen zu sehen und zu bedenken: (Dieser leidende Mensch,) der ist mein Fleisch, meine Natur. Es besteht kein Unterschied zwischen dem einen und dem andern, als dass Gott den einen hat bevorteilt und den andern hintangestellt. Denn wir bestehen alle aus demselben Stoff und keiner rühme sich, als hätte er Reichtümer von sich aus. Wenn er nicht so im Elend sitze wie viele, so soll er nicht hochmütig werden, sondern schauen, wie er um so mehr an Gott bleibe. Demgemäß also, wie Gott uns mit seinen Gütern füllt, sollen wir schauen, wie wir ihm Dankbarkeit erzeigen gegenüber unseren Nächsten, die er uns vor die Füße legt, sodass wir nicht außerhalb ihrer Armut stehen und sie nicht getrennt sind von unserem Reichtum. Vielmehr wollen wir dafür sorgen, freundliche Gemeinschaft zu halten mit denen, die mit uns verbunden sind durch ein unzerreißbares Band.
Übersetzt von Hans Scholl, abgedruckt in: Reformierte Kirchenzeitung 124 (1983), 29f

Eine Predigt von Calvin gehalten am 30. Oktober 1555 in Genf.

Labels: , , , , , , ,

Mittwoch, Juli 08, 2009

Glauben

Es geht um den Glauben. Glauben ist etwas Zentrales in unserem Leben. Jeder Mensch glaubt. Die Frage ist nur: An was? Wie? Wohin?

Was ist Glauben?

Die Antwort der Bibel ist da treffend: "Der Glaube ist eine feste Zuversicht auf das, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht." (Hebräer 11)

Das ist eine allgemeine Aussage und muss noch nicht zwingend mit dem christlichen Glauben in Verbindung gebracht werden.

So kann ich hoffen, dass ich Millionär werde - daran halte ich in "fester Zuversicht" fest. Und ich "zweifle nicht" daran, dass ich das erreiche, obschon ich noch keine Anzeichen dafür sehe.

So frage ich gezielter:
Was ist christlicher Glaube?

Er hat als Gegenstand, als Zentrum eine Person: Jesus Christus. Jesus ist der Grund und das Ziel des Glaubens. An ihn setze ich die "feste Zuversicht" und zweifle nicht daran, obschon ich von ihm nicht unbedingt viel sehe - ausser z.B. seine Worte, seine Abendmahl feiernde Gemeinde, die dargebotenen Hände der Diakonie.

Johannes schreibt in seinem Evangelium (3,15): "All die, die an Jesus glauben, haben das ewige Leben." In diesem Bibelwort ist ausgedrückt: Der Gegenstand des christlichen Glaubens ist Jesus. Der Glaube ist die feste Zuversicht auf das was wir hoffen - nämlich: das ewige Leben.

Das ewige Leben ist die Erfüllung der Sehnsucht die wir alle in uns tragen: Die Sehnsucht nach dem Himmel. Die Sehnsucht ganz bei Gott zu sein. Das ist eine universale Sehnsucht. Auch sie gehört zum Wesen des Menschen. Leider stillen wir Menschen diese Sehnsucht nur irgendwie aber nicht nach Gottes Absicht. Wir haben es nicht gelernt! Sie gescheiht meist destruktiv, zerstörend, krankmachend. So am sichtbarsten etwa in den vielfältigen Süchten - Sucht will diese Sehnsucht stillen. Nur ist Sucht der falsche Weg - nicht Gottes Absicht.
Gott hat uns den Weg gegeben: Jesus! Auf ihn kann ich hoffen. Auf ihn kann ich meine feste Zuversicht setzen. An ihn kann ich glauben.
In Johannes 11,25 sagt Jesus: "Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt." Das ist nichts anderes als diese Hoffnung auf das ewige Leben, den Himmel, die Stillung der tiefen Sehnsucht. An Jesus glauben.
So spreche ich vom Kern des christlichen Glaubens. Im Weiteren - auf dem folgenden Glaubensweg - also als Folge dieses Christusglaubens - werden noch andere Inhalte geglaubt werden. Beispiele: Die Bibel ist Gottes Wort. Die Schöpfung ist das Werk Gottes. Die Gebote sind Gottes gute Lebenshilfe. Die Ehe ist die gute und lebenslange Gemeinschaft von Mann und Frau. Das Gebet ist Reden mit Gott und er hört und spricht. Die Heilungen und Wunder sind Taten Gottes. Die Engel sind Boten Gottes.
Ich meine aber, dass im Gegensatz zum Glauben an Jesus Christus, diese Glaubensinhalte diskutierbar sind. Wir müssen sie auch immer wieder bereden und uns mit ihnen auseinandersetzen. Nur so bleiben sie uns präsent und werden in unserer Lebensrealität wirksam.

Zum Glauben kommen - wie?
Du siehst, dass der Glaube an Jesus der Weg in den Himmel ist. Dass das dein Weg wäre. Aber wie kommst du zu diesem Glauben? Du kannst ja nicht Glauben produzieren.
Da sind die Hebräersätze (12,1-2) aufschlussreich: "Kämpfen, laufen und aufsehen zu Jesus - dem Anfänger und Vollender des Glaubens." Beide kommen da vor: Du und Jesus. Es ist ein Zusammengehen von dir und Jesus. Jesus beginnt mit dir den Glauben - das hat er übrigens schon getan. Er wird dir auch auf deinem Glaubensweg helfen - so, dass dein Glaube auch vollendet wird. Dein Part ist: Kämpfen, laufen und aufsehen zu ihm. Im 10. Kapitel des Hebräerbriefes wird noch mehr auf deinen Part eingegangen: Hinzutreten, festhalten, achthaben, dein Vertrauen nicht wegwerfen, Geduld haben, den Willen Gottes tun, das Verheissene empfangen.
Damit du glaubest sind drei Dinge von dir gefragt: Dein Wille, deine Kenntnisse und deine Gefühle.
Deine Gefühle sind wichtig. Du hast Wünsche, Empfindungen, Ängste - es ist dir warm und kalt ums Herz, du bist fröhlich und traurig... Nimm deine Gefühle ernst und horche auf sie - so werden sie dich an den Ort bringen, wo du dich für oder gegen Jesus entscheiden musst.
Deine Kenntnisse sind wichtig. Du musst einiges aus der Bibel wissen - darum studier sie auch. Du musst wissen, auf was du dich mit dem christlichen Glauben einlässt - das findest du in der Bibel. Wir Christen haben keinen "blinden Glauben"! Studier die Schrift und das Leben und du wirst an den Ort kommen, wo du dich für oder gegen Jesus entscheiden musst.
Aber dann entscheide dich. Und die Entscheidung geschieht mit deinem Willen. Du kannst gute Gefühle haben, du kannst viel über Jesus wissen - aber wenn du dich nicht für Jesus entscheiden willst, glaubst du auch nicht an ihn. Der Glaube an Jesus Christus beruht also auf einer willentlichen Entscheidung für ihn. Sag "Ja" zu ihm und dannach wird das lebensverändernde Prozesse bei dir auslösen, die aus dem Wirken des Heiligen Geistes kommen.

Der christliche Glaube ist nicht nur eine einmalige Begebenheit einer Entscheidung für Jesus. Sicher muss ein Start sein. Ein grundsätzliches "Ja" zu Jesus muss kommen. Aber dann beginnt ein Weg. Dann kann dein Glaube auch schwach und klein sein. Dann wird er wachsen und stärker werden. Auf diesem Weg mit Jesus, durch diese Welt, wird dein Glaube geprüft, gefordert, hinterfragt, erneuert. Er bewährt sich und du wirst die Erfahrung machen, dass du trotz menschlich gesehen grosser Niederlagen, einen Glauben hast, der der Sieg ist, der die Welt überwunden hat (1. Johannes 5,4).
Dein Glaube wird Auswirkungen zuerst an dir selber haben. Er wird sich konkret in deinem Leben zeigen: Wie du denkst, sprichst, entscheidest, handelst. Da gilt erst recht: Kämpfen, laufen, aufsehen zu Jesus. Hinzutreten, festhalten, achthaben, dein Vertrauen nicht wegwerfen, Geduld haben, den Willen Gottes tun, das Verheissene empfangen.

Was ist also christlicher Glaube?
Er ist Annahme von dem, was uns Gott in Jesus schenkt und dann vertauen, dass er es gut macht - gerade mit mir.
Er ist: Festhalten an der Hoffnung die uns Jesus in sich selber bringt und diesen Glauben in guten Werken leben.

Der Evangelist Markus sagt: Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden; wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden. (Markus 16,16)

Labels: , , , , ,

Samstag, März 14, 2009

Erste und Letzte

Matthäus / Kapitel 20
01 "Ich möchte euch ein Gleichnis erzählen", sagte Jesus. "Ein Weinbauer ging frühmorgens Arbeiter für seinen Weinberg anwerben.
02 Er einigte sich mit ihnen auf den üblichen Tageslohn und ließ sie in seinem Weinberg arbeiten.
03 Ein paar Stunden später ging er noch einmal über den Marktplatz und sah dort Leute herumstehen, die arbeitslos waren.
04 Auch diese schickte er in seinen Weinberg und versprach ihnen einen angemessenen Lohn.
05 Zur Mittagszeit und gegen drei Uhr nachmittags stellte er noch mehr Arbeiter ein.
06 Als er um fünf Uhr in die Stadt kam, sah er wieder ein paar Leute untätig herumstehen. Er fragte sie: 'Warum habt ihr heute nicht gearbeitet?'
07 'Uns wollte niemand haben', antworteten sie. 'Geht doch und arbeitet auch noch in meinem Weinberg!' forderte er sie auf.
08 Am Abend beauftragte er seinen Verwalter: 'Ruf die Leute zusammen und zahle ihnen den Lohn aus! Beginne damit beim Letzten und höre beim Ersten auf!' Zuerst kamen also die zuletzt Eingestellten,
09 und jeder von ihnen bekam den vollen Tageslohn.
10 Jetzt meinten die anderen Arbeiter, sie würden mehr bekommen. Aber sie bekamen alle nur den vereinbarten Tageslohn.
11 /12 Da fingen sie an zu schimpfen: 'Diese Leute haben nur eine Stunde gearbeitet, und du zahlst ihnen dasselbe wie uns. Dabei haben wir uns den ganzen Tag in der brennenden Sonne abgerackert!'
13 'Mein Freund', entgegnete der Weinbauer, 'dir geschieht doch kein Unrecht! Haben wir uns nicht auf diesen Betrag geeinigt?
14 Nimm dein Geld und geh! Ich will den anderen genausoviel zahlen wie dir.
15 Schließlich darf ich doch wohl mit meinem Geld machen, was ich will! Oder ärgerst du dich, weil ich großzügig bin?'
16 Ebenso werden die Letzten einmal die Ersten sein, und die Ersten die Letzten."

Die Ersten werden die Letzten sein und die Letzten werden die Ersten sein – ein Sprichwort das ich immer wieder höre und auch selber gebrauche – bei allen möglichen und unmöglichen Situationen.

Aber wir wissen es – das ist keine allgemein gültige Regel. Im Leben ist es vielmehr so, dass die Ersten auch die Gewinner sind und die Letzten eben leer ausgehen.

Dieses Gleichnis von Jesus ist also weltfremd.

Und es ist unserer Welt und unserer Erfahrung noch fremder, wenn wir bedenken, was Jesus da noch weiter sagt. Will er gleicher Lohn für alle? Spricht er für die Faulen, die für wenig bis gar keine Arbeit Geld beziehen? Kaum.
Was will denn Jesus wirklich mit diesem Gleichnis sagen?

Ein Weinbauer, der Besitzer der Reben, das ist Gott. Der Weinberg, die Reben, das sind (Kapitel 19 lesen!): Das Reich Gottes (V. 24), das Himmelreich (V. 23) – andere deutsche Übersetzungen brauchen hier „Königreich Gottes“, „Neue Welt Gottes“, „zu Gott kommen“, selig werden, gerettet werden (V. 25), ewiges Leben (V. 16), Nachfolge, mit Jesus gehen (V. 28).

Und das ist auch die Hauptrichtung des Gleichnisses – Jesus antwortet hier nämlich Menschen, die danach fragen, wie sie denn in das Himmelreich, in das Reich Gottes, in das ewige Leben kommen können.
Nebenbei: Wer fragt denn das heute noch? Aber es ist/wäre die entscheidende Frage für jeden Menschen, um zu seiner Bestimmung, zu seinem Lebenssinn zu gelangen.

Also: Es gibt viel Arbeit in den Reben. Der Weinbauer, Gott, braucht Arbeiter. Und er ruft sie, auf dem Markt!

Da stehen die Menschen auf dem Markt: Schauen, was es so gibt. Kaufen und verkaufen. Sehen und gesehen werden. Es wird gewogen und bewertet. Es ist der Markt der Möglichkeiten.
Aber: das Leben ist nicht auf dem (Finanz-) Markt zu finden.
So kommt der Weinbauer/Gott auf den Markt und ruft die Menschen in die Arbeit in seinen Weinberg.

Ich möchte heute nicht näher darauf eingehen – Tatsache ist aber, dass es Leute gibt, die nicht eingestellt werden und andere wollen nicht eingestellt werden.
Konkret für Dich sage ich heute: Du bist heute berufen – von diesem Weingärtner Gott – er will dich einstellen in seine Arbeit!
Was antwortest Du?

Da gibt es also zuerst die, die am frühen Morgen, bei Sonnenaufgang eingestellt werden und mit der Arbeit beginnen. Sie haben einen 12-Std. Arbeitstag vor sich.
Drei Stunden später die Nächsten – sie arbeiten 9 Std.
Wieder drei Stunden später die Arbeiter, die 6. Std. arbeiten.
Die vierte Gruppe arbeitet noch 3 Std.
Und die letzten, die der Weinbauer noch auf dem Markt holt – arbeiten noch eine Stunde.

Dann ist Sonnenuntergang und Feierabend. Und es gibt den Lohn. Taglöhner erhalten den Lohn täglich.

Und jetzt kommt in diesem Gleichnis von Jesus das Weltfremde – ja, da funktioniert es wirklich nicht so wie in der Welt!
Alle Arbeiter erhalten den gleichen (übrigens angemessenen) Lohn.
Gottes Reich und unser Weltenreich sind zwei verschiedene Wirklichkeiten.

Jesus ist auf diese Welt – in diese Welt – hineingekommen, um Gottes Reich auszubreiten. Diese Wirklichkeit soll mehr und mehr bei uns herrschen.
Dazu braucht er Arbeiter. Die arbeiten genau an dem: Gottes Reich ausbreiten – Gott soll mehr und weiter als König angebetet werden. Der Weingärtner oder anders gesagt, der König dieses Reiches, ist Gott selber. Er beruft, beauftragt, sendet, rüstet aus – gibt die Vorgaben wie dieses Reich aussehen soll. Und er zahlt den Lohn: Das ist das ewige Leben.

Und dieser Lohn ist für alle gleich – ob sie nun schon lange an der Arbeit Gottes stehen, ob sie Pfarrer oder Hauswart sind, ob sie viel oder wenig in dieses Reich investieren können – der Lohn ist das ewige Leben: Das ewige Leben ist Gemeinschaft mit Gott, mit Gott zusammen sein, selig, glücklich sein. Es hat etwas mit dem hebräischen „shalom“ zu tun: Alles zwischen Gott und mir ist gut, die Rechnungen sind bezahlt, es ist ein Zustand des Friedens. Ewiges Leben heisst seiner ureigensten Bestimmung gerecht werden, bei Gott Heimat haben, bei ihm geborgen sein. Das am richtigen Ort gefunden haben, wonach ich mich zutiefst sehne: Ruhen – in Frieden ruhen.
Und wenn das auch nach viel Jenseitigkeit und Zukunft tönt – stückweise dürfen wir das zusammen mit dem dreieinigen Gott schon jetzt erleben: Mein tiefstes Glück habe ich immer, wenn ich erfahre, dass da ein Stück Himmel auf Erden geworden ist.

Der Lohn von Gott ist gerecht. Im Gegensatz zum Lohn der Welt.
Aber da ist auch ein Stachel: Unser Neid. Wie schnell vergleichen wir und sagen: Das ist ungerecht! Ich arbeite schon so lange im Reich Gottes. Ich gebe schon so lange und so viel in das Reich Gottes. Ich habe so viel Erfahrung. Ich bin so kompetent…. Und erhalte nur gleichviel wie der, der so spät dazukam, der so wenig gibt, der keine Ahnung hat…, der so anders ist als ich. Schon auf der tiefen Ebene der Kirchenmusik wird schnell der Lohn in Frage gestellt: Alte Choräle gegen Sakralpop… Wieviel mehr wird der Lohn in Fragen der Gottes- und Nächstenliebe, der Konfessionszugehörigkeit oder der Taufe in Zweifel gestellt (das sind nur Beispiele!).

Es ist wie beim Gleichnis vom verlorenen Sohn. Als dieser Sohn zum Vater zurückkehrt, nachdem er das Leben „genossen“ hat und alles verspielt hat, wird er mit offenen Armen, voller Freude und mit einem grossen Fest empfangen. Interessant ist in unserem Zusammenhang jetzt aber, wie der zweite, ältere Sohn reagierte, der, der immer beim Vater gewesen war:

Lukas 15, 25 Inzwischen kam der ältere Sohn nach Hause. Er hatte auf dem Feld gearbeitet und hörte schon von weitem die Tanzmusik. 26 Erstaunt fragte er einen Knecht: 'Was wird denn hier gefeiert?' 27 'Dein Bruder ist wieder da', antwortete er ihm. 'Dein Vater hat sich darüber so gefreut, dass er das Mastkalb schlachten ließ. Jetzt feiern sie ein großes Fest.' 28 Der ältere Bruder wurde wütend und wollte nicht ins Haus gehen. (Neid!) Da kam sein Vater zu ihm heraus und bat: 'Komm und freu dich mit uns!' 29 Doch er entgegnete ihm bitter: 'All diese Jahre habe ich mich für dich geschunden. Alles habe ich getan, was du von mir verlangt hast. Aber nie hast du mir auch nur eine junge Ziege gegeben, damit ich mit meinen Freunden einmal richtig hätte feiern können. 30 Und jetzt, wo dein Sohn zurückkommt, der dein Geld mit Huren durchgebracht hat, jetzt lässt du sogar das Mastkalb schlachten!' 31 Sein Vater redete ihm zu: 'Mein Sohn, du bist immer bei mir gewesen. Was ich habe, gehört auch dir. 32 Darum komm, wir haben allen Grund zu feiern. Denn dein Bruder war tot, jetzt hat er ein neues Leben begonnen. Er war verloren, jetzt ist er wiedergefunden!'"

Da spricht der gütige, barmherzige vergebende Gott!
Die Belehrung an uns ist: Lasst euch rufen, weg vom Markt, in die Arbeit Gottes. Lasst das Vergleichen, das den Neid hervorbringt. Freut euch vielmehr an jedem, der zum Vater zurückgekehrt ist.

Labels: , , , , , , ,

Samstag, Oktober 18, 2008

Wachsen im Glauben

Mir zeigt der Text aus 1.Johannes, Kapitel 2 ein Wachstum. Christ sein ist zwar ein Sein in Christus aber das heisst nicht, dass es statisch am Ort stehen bleibt. Denn Christus selber ist lebendig. Johannes schreibt:
12 Ihr aber, meine geliebten Kinder, müßt nicht hilflos in der Finsternis umherirren; denn durch Jesus Christus ist eure Schuld vergeben.
13 Euch Väter soll mein Brief im Glauben ermutigen; ihr kennt ja Christus, der schon immer, von aller Ewigkeit her, da ist. Ich schreibe aber auch euch, ihr jungen Leute; denn ihr habt den Bösen besiegt.
14 Euch Kindern schreibe ich, weil ihr den Vater kennt. Ebenso habe ich euch Vätern geschrieben, weil ihr den kennt, der von allem Anfang an da war. Und euch, ihr jungen Leute, habe ich geschrieben, weil ihr in euerm Glauben stark geworden seid. Gottes Wort ist in euch lebendig, und ihr habt den Bösen besiegt.

Von Kindern, jungen Leuten und Vätern ist hier die Rede. Generationen – Generationen im Glauben sind damit gemeint.
Es gibt wie im natürlichen Leben, auch im geistlichen Leben ein Wachsen, eine Entwicklung. Ich beginne als Kind. Und wer als Christ beginnt kann 12 jährig sein oder 40 jährig oder 80 jährig.
Es gibt eine geistliche Geburt: Da wo ich mich ganz persönlich für Jesus entscheide. Wo ich mein Leben ihm abgebe. Wo er Herr über mein Herz – über mein ganzes Sein – wird.
Und dann geschieht Wachstum. Ich durchlebe die Altersphasen der Generationen.
In diesem Wachsen brauche ich Nahrung. Und diese Nahrung ist (1. Korinther 3,1-2; Hebräer 5,12-14) am Anfang noch Milch, keine schwere Nahrung.
Diese geistliche Nahrung gibt Licht in der Finsternis – Wegweisung und Sicherheit. Ich erfahre, dass meine Sünden von Gott wirklich vergeben sind. Ich bekomme Sicherheit und kenne nun Gott den Vater. Grundlagen des christlichen Glaubens nehme ich auf und sie werden mir zu geistlichen Baustoffen.

Dann wachse ich weiter. Und die Speise wird fester.
In der Zeit des jungen Mannes lerne ich mich im Leben bewähren. Ich lerne kämpfen, ich lerne mit Sieg und Niederlagen umzugehen. Ich werde verletzt und erfahre Heilung. Ich trage Narben davon. Ich werde reifer. Meine Hörner stosse ich ab. Meine Kanten werden geschliffen. Ich werde als Baustein in den Tempel von Gott eingeschliffen.

Da gibt es auch Wachstumsstörungen: Rückfall zur Muttermilch. Stagnation durch Nahrungsverweigerung. Füllen mit falscher Nahrung (fast food, nouvelle couisine, einseitiger Ernährung, usw…). Ausweichen, sich nicht den Anforderungen stellen, nicht lernen wollen – all das wirkt sich aus: Ich werde nicht reif.

Übrigens: Wir haben hier und jetzt keinen Nahrungsmangel – vielmehr ein Überangebot. Da mag es auch schwierig sein, die gute Nahrung zu finden. Aber die Klage, dass ich zuwenig Nahrung bekomme kann hier und jetzt ganz klar nicht am Angebot liegen – es liegt an mir, wenn ich nicht (prüfe und) nehme.

Und dann wachse ich weiter: Zur Vollendung als Vater: Dieser kennt Christus als der, der schon immer war und immer sein wird. Ganzes Vertrauen auf ihn ist jetzt vorhanden. Keine grundsätzlichen Zweifel mehr. Er kennt Gott. Er kennt Jesus. Und das wirklich tief. Sein Leben ist verankert in Gott. Er ist eins mit Gott.
Ich schätze, dass ich da noch nicht ganz angekommen bin. Bei manchen reifen Christen kann ich solche Ansätze erkennen. Aber wirklich durch und durch in Gott ruhen – wer von uns kann das von sich sagen, dass er das erreicht hat? Aber es ist mein Ziel! Dahin wachse ich. Und ich gebe mich nicht mit weniger zufrieden.

Wesentliche geistliche Nahrungsmittel sind: Das Wort Gottes in Form der Bibel, im Heiligen Geist, in Jesus (Johannes 1), im Abendmahl.
Hier ist der Ort, wo ich Nahrung bekomme. Nahrung die mich geistlich wachsen lässt.
Jesus sagt von sich: Ich bin das Brot des Lebens.
Jesus sagt, wen da dürstet, der komme zu mir, ich gebe ihm Wasser, des ewigen Lebens.

Labels: