Dienstag, Dezember 01, 2009

Jesus kommt als König

Erster Advent: Da singen wir wieder:
„Tochter Zion, freue dich, jauchze laut, Jerusalem. Sieh, dein König kommt zu dir, ja er kommt, der Friedefürst. Tochter Zion freue dich, jauchze laut, Jerusalem.
Hosianna, Davids Sohn, sei gesegnet deinem Volk. Gründe nun dein ewig Reich, Hosianna in der Höh! Hosianna, Davids Sohn, sei gesegnet deinem Volk.
Hosianna, Davids Sohn, sei gegrüsset, König mild. Ewig steht dein Friedensthron, du, des ewgen Vaters Kind. Hosianna, Davids Sohn, sei gegrüsset, König mild.“
(Melodie: Georg Friedrich Händel, Text: Friedrich Heinrich Ranke)

Der Bibeltext, der diesem Lied zugrunde liegt ist Sacharja 9,9:
Du, Tochter Zion, freue dich sehr, und du, Tochter Jerusalem, jauchze!
Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm und reitet auf einem Esel, auf einem Füllen der Eselin.

Ich habe so meine Bedenken, wenn ich solche Worte in der Öffentlichkeit sage. Der Text wirkt doch sehr fremd. Dass der etwas mit uns zu tun haben könnte, scheint doch eher unwahrscheinlich. Nicht weil er anstössig wäre – aber ist er verständlich?
• Tochter Zion?
• Ein König?
• Ein König, der auf einem Esel reitet?

Wer nicht christlich sozialisiert ist, das heisst, wer nicht traditionsgemäss gleich fromme, nostalgische Advents- und Weihnachtsgefühle bekommt, wenn er dieses Lied hört, versteht da wohl nur „Bahnhof“.

Da habe ich einfach Angst, dass solche Texte nichts zur Förderung des christlichen Glaubens beitragen – im Gegenteil. Solche Texte werden doch gerade zum Beweis, dass das mit der Kirche, dem Christentum und Gott ein Märchen ist. Ja, in Märchen sind solche Worte erlaubt – da gibt es wundersame Könige und Töchter und zauberhafte Namen wie Zion und Jerusalem.

Aus diesem Grund ist das ein schwieriger Text. Auch wenn wir ihn fast in jeder Advents- und Weihnachtszeit hören.
Es ist ein Text, der erarbeitet werden muss. Ein Text in den wir uns hineinbegeben müssen.

Denn eines ist sicher: Es ist kein Märchentext.

Da werden zuerst einmal zwei Töchter genannt.
"Jerusalem" und "Zion" sind die Ortsnamen rund um den Tempelberg des heutigen Jerusalems.

Die „Tochter“ bezeichnet die Bewohner oder vielleicht auch all die Menschen, die damals nach jüdischer Sitte im Tempel Gott anbeteten und so mit ihm Gemeinschaft hatten. Die „Töchter“ stehen hier an Stelle des Volkes Gottes. Es ist auch ein treffendes Bild: Gott der Vater hat eine Beziehung zu seinem Volk, wie ein Vater zu seinen Töchtern (wenn wir den Idealfall voraussetzen…).

Wir können also den ersten Teil von Sacharja 9,9 übersetzen: „Du, Volk Gottes, freue dich – jauchze!“

Warum nun sollen sie sich so freuen, dass sie gar jauchzen sollen?

Die Erklärung weiter im Text:
„Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm und reitet auf einem Esel, auf einem Füllen der Eselin.“

Siehe – schaut – da gibt es etwas zu sehen! Etwas Erkennbares, Handfestes geschieht (im Gegensatz zu den Märchen!).

Dein König kommt.

Nun kommt die zweite Schwierigkeit mit unserem Text. War die erste noch irgendwie auf uns, die wir Kirche sind und uns als Gottes Volk verstehen, übertragbar, haben wir – und da vor allem wir Schweizer – etliche Mühe.

Könige sind für uns irgendwie lächerliche Leute. Die lassen sich in teueren Luxusautos durch die Klatschspalten von Frauenzeitschriften fahren, haben irgendwie immer Beziehungs-Probleme und bringen keinen nennenswerten Ertrag. Eben: Märchengestalten. Könige gehören nicht in unsere reale Welt.
Wir Schweizer wollen keinen König.

Wenn es bei uns um Könige geht, sind es Wirtschaftskönige oder dann der Kunde, der angeblich König sein soll.

Hier ist ein anderer König gemeint. Ein König, der König über das Volk von Gott ist.

Diese Worte, die wir da lesen, wurden rund 500 Jahre bevor Jesus auf die Welt kam, geschrieben. Es sind also echte prophetische Worte. Sie künden Jesus an, der als Sohn Gottes, als Sohn des Vaters – als Bruder der Töchter Zions – auf die Welt kommt. Der Messias.
Das ist ein anderer König als wir uns Könige vorstellen. Das war dann auch ein anderer König, als sich das Volk Gottes, Tochter Zion, Jerusalem vorgestellt hatte. Dieser Messias war kein politischer Befreier aus den Zwängen der römischen Herrschaft.

Jesus als König kam gerecht – ein Helfer – arm.

Das waren und sind unsere menschlichen Könige kaum. Übrigens auch die israelitischen Könige, waren das nicht. Gott wollte keine Könige einsetzen für sein Volk – er wollte selber König sein - aber das Volk drängte und forderte – und Gott liess sie gewähren…(1. Samuel 8). Vielleicht auch ein Lehrstück für uns Schweizer, die wir meinen, dass das Volk immer recht habe.

Als Jesus auf der Welt war, beschreibt er sein Königsamt folgendermassen: Lukas 4,18-21: Jesus liest „Der Geist des Herrn ist auf mir, weil er mich gesalbt hat, zu verkündigen das Evangelium den Armen; er hat mich gesandt, zu predigen den Gefangenen, dass sie frei sein sollen, und den Blinden, dass sie sehen sollen, und den Zerschlagenen, dass sie frei und ledig sein sollen, zu verkündigen das Gnadenjahr des Herrn.“ Und als er das Buch zutat, gab er’s dem Diener und setzte sich. Und aller Augen in der Synagoge sahen auf ihn. Und er fing an, zu ihnen zu reden: Heute ist dieses Wort der Schrift erfüllt vor euren Ohren.

Jesus Gerechtigkeit heisst also vor allem: Gnade, vergeben, erlassen, frei machen von Gesetz und Verurteilung und Richten.

Jesus Hilfe heisst also vor allem: Die Gefangenen befreien, den Blinden die Augen auftun, die gute Botschaft des Reiches Gottes verkündigen.

Jesus Armut heisst also vor allem: Aus dem zu leben, was der Vater gibt, aus dem Heiligen Geist leben, materiell arm werden, damit Arme reich werden.

Das ist Jesus! Das ist dieser König – der so gar nicht ist, wie wir uns ein König vorstellen oder wünschen. Er lebt und ist selber das Wort Gottes: „Nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist.“ (Sacharja 4,6)
Ja,
• Gott kommt gewaltig – aber nicht mehr wie im Alten Testament durch Gewitter, Donner, Sintflut, Krieg oder Seuchen, sondern als Kind in der Krippe.
• Gott hat Kraft – aber die geht den Weg durch das Ohr zum Hirn und Herzen und dann in die Muskeln.
• Gott hat Macht – aber nicht durch das Schwert, sondern durch den Heiligen Geist.

Jesus kommt als König zu uns Menschen auf die Erde. Sein Ziel ist sein Königreich zu errichten: Gottes Reich, das Reich der Himmel. Als Friedefürst will er das Friedensreich errichten.

Dazu braucht er ein Volk. Und dieses sein Volk muss lernen so zu werden wie er. Königskinder orientieren sich am König. Jesus ist kein menschlicher König. Sein Joch ist sanft. Seine Untertanen sind nicht untertan, sondern Kinder von Gott, Töchter Zions, geliebt und jeden Tag neu beschenkt, Befreite, Erlöste. Dazu aufgerufen, die „Jesusart“ zu leben. Der Heilige Geist macht es möglich. Die Merkmale sind die Früchte des Heiligen Geistes: Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Selbstbeherrschung (Galater 5).

Jesus kommt als König. Er erwirbt sich sein Volk und schenkt so echte Gemeinschaft.

Jesus kommt als König und ... reitet auf einem Esel, auf einem Füllen der Eselin.

Zweimal reitet Jesus auf einem Esel. Als ungeborenes Kind in der Maria vor Weihnachten – als die Familie nach Bethlehem zog. Und dann 30 Jahre später, als Jesus in Jerusalem einzog, als gefeierter, umjubelter König – wenige Tage bevor er verhaftet, verhört, verprügelt wurde und dann ans Kreuz genagelt wurde.

Es war zur damaligen Zeit durchaus üblich, dass Könige auf Eseln ritten. Das hatte keinen Beigeschmack von Minderwertigkeit oder Armut. Es war einfach praktisch. Aber etwas zeigte es dennoch: Ritt ein König auf einem Esel war er in friedlicher Mission unterwegs. Zog er in den Krieg, dann, ja dann nahm er das Schlachtross.
Jesus hat nie das Schlachtross genommen.

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Samstag, November 07, 2009

Feindesliebe

Matthäus 5,38 Ihr habt gehört, dass gesagt ist (2.Mose 21,24): »Auge um Auge, Zahn um Zahn.« 39 Ich aber sage euch, dass ihr nicht widerstreben sollt dem Übel, sondern: wenn dich jemand auf deine rechte Backe schlägt, dem biete die andere auch dar. 40 Und wenn jemand mit dir rechten will und dir deinen Rock nehmen, dem lass auch den Mantel. 41 Und wenn dich jemand nötigt, eine Meile mitzugehen, so geh mit ihm zwei. 42 Gib dem, der dich bittet, und wende dich nicht ab von dem, der etwas von dir borgen will.
43 Ihr habt gehört, dass gesagt ist: »Du sollst deinen Nächsten lieben« (3.Mose 19,18) und deinen Feind hassen. 44 Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen2, 45 damit ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel. Denn er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte. 46 Denn wenn ihr liebt, die euch lieben, was werdet ihr für Lohn haben? Tun nicht dasselbe auch die Zöllner? 47 Und wenn ihr nur zu euren Brüdern freundlich seid, was tut ihr Besonderes? Tun nicht dasselbe auch die Heiden? 48 Darum sollt ihr vollkommen sein, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist.

Als Jesus diese Predigt hielt – die „Bergpredigt“ – hatte er Menschen vor sich, die das verinnerlicht haben: „Auge um Auge, Zahn um Zahn – Wie du mir, so ich dir“ oder gleich noch einen drauf. Und da waren die Menschen nicht einfach noch nicht so weit wie wir – sie waren ganz wie wir, natürlich. Überlässt man den Menschen sich selber, so ist und bleibt er so – damals wie heute. Wenn da nichts von aussen kommt, bleibt der Mensch unkultiviert.

Jesus spricht in dieses natürlich-sündige Menschsein hinein und lehrt dazu etwas überraschend: Wenn du auf die Backe geschlagen wirst, halte die andere auch gleich hin. Wenn jemand etwas von dir verlangt, gib mehr als er verlangt. Dass du die liebst, die dir lieb sind, ist wie selbstverständlich – aber lieb auch deine Feinde. Und darin sollst du dich üben bis zur Vollkommenheit…

Nun, Jesus, das sind doch recht radikale, hohe Forderungen. Wer kann das schon?

Wichtig dabei ist: Es gibt keine Bergpredigt ohne Bergprediger!
Die Bergpredigt beginnt der Bergprediger Jesus mit den „Seligpreisungen“. Er preist hier die Armen, die Bedürftigen, die Hungernden, die Barmherzigen, die Sanftmütigen,…. Die, die im Geist Gottes, im Heiligen Geist leben, der denen geschenkt wird, die mit Jesus leben. Jesus im Herzen haben, seine Seele Jesus verschrieben haben, ihm nachfolgen – da gibt es einige Worte und Bilder und alle meinen das Gleiche: Jesus und nichts und niemand anderes wird, ist und bleibt mein Herr. Denen, die so mit dem dreieinigen Gott leben, ist dieser Gott auch verbunden – im Heiligen Geist. Dieser Heilige Geist, der Geist Gottes bringt Früchte: Liebe, Freude, Frieden, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Enthaltsamkeit (Galater 5,22f).

Jesus als Bergprediger preist Menschen selig, glücklich, die merken: Ich kann es nicht bringen, ich brauche Gott. Und das schenkt Gott: Seine Liebe. Zuerst hat uns Gott geliebt (nicht wir ihn), wir, die wir von Natur aus seine Feinde sind (Römer 5,10). Dass er seinen Sohn Jesus Christus auf diese Welt, zu seinen Feinden, zu uns gesandt hat, ist sein stärkster Liebesbeweis. Auch in der Feindesliebe ist uns Gott vorausgegangen!

Nun kann sich der, der sich an diesen liebenden Gott bindet an die Zusage von Gott halten: „Nichts kann uns von der Liebe Gottes trennen.“ (Römer 8,38f)

Also: Wer seinen Feind lieben will, muss zuerst selber die Liebe Gottes erfahren haben.

Dann ist freilich die Anfrage von Gott: Wie liebst du mich, wie liebst du den Nächsten? (das Doppelgebot der Liebe!, Matthäus 22,37f)

Sowohl die Liebe Gottes wie auch unsere Gottes-, Nächsten- und Feindesliebe ist nicht passiv. Sie ist kein gefühlsmässiges Herumdrücken, kein „alles über mich ergehen lassen“, kein gleichgültig sein, kein „mal schauen, mal zuschauen“,…

Es ist vielmehr: Dem Andern in die Augen schauen (das ist auch der tiefere Sinn, der Idee, dem Schlagenden auch die andere Backe hinzuhalten – denn diese Bewegung richtet den Blick des Geschlagenen auf zum Gesicht des Schlägers). Hinsehen, hinstehen, denken, dabei sein und das Unrecht benennen.

Jesus hat das selber so vorgelebt: „… da schlug einer von den Knechten, die dabeistanden, Jesus ins Gesicht und sprach: So antwortest du dem Hohenpriester? Jesus antwortete: Habe ich übel geredet, so beweise, dass es böse ist; habe ich aber recht geredet, was schlägst du mich?“
(Johannes 18,22f)

Feindesliebe erfordert also Hinstehen, Mut, Zivilcourage.

Diese Liebe, die uns Jesus predigt geht weder den Weg der Passivität, Flucht oder Feigheit noch den Weg der Gewalt, Kampf oder Macht. Sie geht einen dritten Weg: Ein schmaler Weg, ein steiniger Weg, ein mühsamer Weg – zwischen den Fronten.
Feindesliebe bildet keine Fronten. Es entsteht kein Stellungskrieg.

Mein Bild dazu kommt aus dem Maschinenbau: Wenn zwei Metallteile aufeinander liegen und sich bewegen sollen, ist das ein Lager. Reiben sich die beiden Lagerteile, entsteht Wärme und Hitze und Glut, wird die Oberfläche aufgerissen, es entstehen Späne und zuletzt fressen sich die beiden Lager so fest ineinander, dass sie ihre Funktion nicht mehr übernehmen können, dass sie zerstört werden und weggeworfen werden müssen. Es braucht ein Schmiermittel zwischen den beiden Lagern – meistens Oel. Wir Christen haben dieses Oel (verbinde dieses Oel mit dem Bild des Salbungsoels – dem Zuspruch des Heiligen Geistes – Jakobus 5,14f) zu sein! Da zwischen den Lagern (wir Christen bilden kein Lager!) ist es ungemütlich, da herrscht Druck, da wird es heiss, da geschieht es, dass wir teilweise verdampfen – leiden um Jesu Willen – so sieht Feindesliebe aus.

Jesus sagt dem, der mit dem Schwert einem Feind das Ohr abschlägt: „Steck das Schwert zurück. Wer das Schwert nimmt, der soll durchs Schwert umkommen.“ (Matthäus 26,52)

Ein so gestaltetes Leben mit Jesus zusammen, ist doch etwas anderes als wir Christen es leben. Wir sind in dieser Welt unglaubwürdig nicht weil wir uns nicht geschlossen hinter das Verbot von Minaretten stellen, sondern weil wir die Feindesliebe nicht radikal leben.

Sicher wirft das viele Fragen auf – man kann ein Leben lang über Tyrannenmord, Staat und Kirche, wem ist Gewalt gegeben, usw. diskutieren. Aber das ist mir irgendwie so weit weg, dass es mir nur als Ausrede vorkommt. Zuerst bin ich gefragt im hier und jetzt, bei meinen Nächsten zu leben und zu handeln. Da bin ich herausgefordert Gott und die Menschen zu lieben. Wie? Als Oel!
Wie?
1. Als ein Kind Gottes, mit Gott versöhnt durch Jesus, der alle Gewalt am Kreuz besiegt hat.
2. Als der, der sieht, dass Gott selber die Menschen liebt, auch die, die ich hasse, denen ich lieber aus dem Weg gehe, die mir „nicht so sympathisch“ sind.
3. Als einer, der sich selber fragt: Wo habe ich mir Feinde geschaffen? Was ist mein Beitrag, dass es Feinde gibt? (Selbstkritik)
4. Als der, der für seine Feinde betet. Denn betende Hände können keine Fäuste machen.

Einer unserer Mitchristen sagt: „Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.“ (Römer 12,21 – Verse 17-21 lesen!)
Amen – so soll es sein!

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Donnerstag, Februar 26, 2009

Christliche Meditation

Der Begriff „Meditation“ lässt bei manchen gleich eine Warnlampe leuchten. Nicht zu unrecht. Denn gewöhnlich bringen wir diesen Begriff mit den Meditationspraktiken der östlichen Religionen und ihren esoterischen Ableitungen in Verbindung. Aber es gibt eine christliche Meditation, die keinen Bezug zu diesen fernöstlichen Praktiken hat. Deren Tradition ist schon so alt wie das Christentum selber.
Biblisch gründet die christliche Meditation auf den Ermahnungen, ständig über dem Wort Gottes nachzusinnen (z.B. Psalm 1, Psalm 119 oder auch Jesus: „Selig sind, die das Wort Gottes hören und bewahren“ Lk. 11,28). Dieses Nachsinnen ist nicht nur ein rein kopflastiger Vorgang, sondern erschliesst das Wort Gottes mit dem Herz (Ganzheit des Menschen), mit seiner Seele und mit seinem Verstand (Kopf, Hand und Herz). Das haben wir nötig, um sein Wort wirklich umfassend zu verstehen und in unserem Leben umzusetzen.
Die christliche Meditation verbindet Gebet und Wort Gottes. Sie ermöglicht das Hören auf Gott.
Praktisch kann die christliche Meditation so gestaltet werden:
1. Offen, leer, frei werden – Ausatmen, hingeben – still werden – im Gebet lege ich ab, was mich hindert auf Gott zu hören. Manchen hilft ein entsprechender Ort. Wenn sie diesen Ort aufsuchen, sind sie sehr schnell hörend. Andere brauchen Atmungsübungen, körperliche Übungen. Für wieder andere ist die Tageszeit ausschlaggebend. Da soll auch keine Regel aufgestellt werden. Jeder wird mit der Zeit herausfinden, was er braucht.
In diesem ersten Teil hilft vielen auch Gott mit Liedern und Gebeten (z.B. aufgeschriebene Gebete lesen) anzubeten. „In seine Gegenwart treten“ wird dann das genannt – was natürlich so nicht stimmt, denn er ist immer gegenwärtig – gemeint ist wohl vielmehr, dass ich gegenwärtig werde. Manche reden in diesem Bezug von „sich ausrichten auf Gott“.
In diesen Teil gehört auch Sündenbekenntnis, Busse tun. Denn Sünde ist das grösste Hindernis um offen zu sein für Gottes Reden.
„Herzensgebete“, „Jesusgebete“ haben hier ihren Platz – es sind einfache Gebete, die konzentriert gebetet mein Inneres auf Gott ausrichten. Zwei Beispiele solcher Gebete: „Jesus Christus, du Sohn Gottes, erbarme dich meiner.“ „Herr Jesus Christus, Sohn Gottes, hab’ Erbarmen mit mir Sünder.“.
In der klassischen „Stillen Zeit“, die in unseren Kreisen oft gelehrt wird, ist dieses Element des „leer Werdens von allem Störenden“ ebenfalls vorhanden.

2. Gottes Reden, sein Wort aufnehmen – hören auf ihn – mich von ihm berühren lassen – das Herz füllen – Einatmen.
Hier wird jetzt der Unterschied zu den östlichen Meditationspraktiken klar und deutlich. Währenddem diese auch „leer werden“ füllen sie sich anschliessend mit irgendetwas (dass das Dämonen sein können, liegt auf der Hand) – die christliche Meditation lässt dagegen das offene Herz nun mit dem guten Samen des Wortes Gottes füllen.
Bibelstellen lesen. Bibelstellen auswendig lernen. Bibelstellen „kauen und verdauen“. Hier wird die gute Nahrung aufgenommen und verdaut.

3. Geht es dann darum, das, was da in mich hinein gelegt wurde zu pflegen, zu bewahren. Wenn wir die Meditation auf der Schiene des Aus- und Einatmens betrachten, ginge es hier nun darum, den aufgenommenen Sauerstoff zu brauchen. Das Wort Gottes soll wachsen. Konkret wird das heissen, dass wir es tun, weitersagen, umsetzen in unserem Leben. Und so wird ein sich rückkoppelnder, sich wechselwirkend beeinflussender Regelkreis des christlichen Lebens entstehen.

Im Folgenden gebe ich hier, für den Punkt 2 der christlichen Meditation, einige Worte Gottes weiter:


Angst: Fürchte dich nicht, denn ich bin bei dir! Hab keine Angst, denn ich bin dein Gott! Jes. 41,10
Schwach: Ich mache dich stark, ja, ich stehe dir bei! Jes. 41,10
Nacht, dunkel Ich bin in die Welt gekommen als Licht. Joh. 12,46
Gefangen: Der Geist, der lebendig macht in Christus Jesus, hat dich frei gemacht. Rö. 8,2
Sorgen: Alle eure Sorgen werfet auf ihn, denn er kümmert sich um euch. 1. Petrus 5,7
Beladen: Kommt her zu mir, ich will euch erquicken, erfüllen, aufstellen Matth. 11,28
Mangel: Bittet ihn und er wird es euch geben. Joh. 16,24
Entscheidung: Du zeigst mir den Weg der zum Leben führt. Apg. 2,28
Trauer: Du beschenkst mich mir Freude, denn du bist bei mir. Apg. 2,28
Allein: Fürwahr, er ist nicht ferne von einem jeden unter uns. Apg. 2,28
Angefochten: Herzlich lieb habe ich dich, Herr, meine Stärke! Herr, mein Fels, meine Burg, mein Erretter, mein Gott, mein Hort, auf den ich traue, mein Schild und Berg meines Heils und mein Schatz! Ps. 18,2-3
Hilflos: Der Herr ist meine Stärke und mein Schild, auf ihn hofft mein Herz, und mir ist geholfen. Ps. 28,7
Führung: Ich will dich mit meinen Augen leiten. Ps. 32,8
Kummer: Bekümmert euch nicht; denn die Freude am Herrn ist eure Stärke. Nehemia 8,10
Veränderung: Gedenket nicht an das Alte, denn siehe, ich will ein Neues machen, ich bin der Herr, euer Erlöser. Aus Jes. 43
Mutlos: Ich vermag alles durch den, der mich mächtig macht. Philipper 4,13
Wirre Gedanken: Der Freide Gottes, der höher ist als alle Vernunft, wird eure Herzen und Gedanken bewahren in Christus Jesus. Philipper 4,7
Lärm: Meine Seele ist stille zu Gott, der mir hilf. Psalm 62,2
Durst, Sehnsucht: Bei dir, Herr, ist die Quelle des Lebens. Psalm 36,10
Vor Grenzen, Mauern: Denn bei Gott ist kein Ding unmöglich. Lukas 1,37

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Montag, September 15, 2008

Der Heilige Geist will Einheit

Da ist eine christliche Gemeinde in der folgendes festzustellen ist:
Die Gemeindeglieder überheben sich über andere. Sie sind unfreundlich. Sie sind ungeduldig. Sie haben wenig Liebe. Sie gehen nicht aufeinander zu. Unter ihnen ist Trennung, Scheidung, Zerbruch. Risse, Absonderung und Spaltungen.
Das ist auch weiter nicht erstaunlich. Die Leute sind so verschieden:
Reiche und Arme und dazwischen auch noch viele.
Denker und Fühler.
Schaffer und Faule.
Arbeitnehmer und Arbeitgeber. – Madame Demeron in ihrer Überheblichkeit: „Sind si öpper oder empföhnd si Lohn?“
Gesunde und Kranke.
Offene und Verschlossene.
Clevere und Dumme.
Harte und Weiche.
Männer und Frauen.
Fortschrittliche und Rückständige.
Optimisten und Pessimisten und beide wollen Realisten sein.
Solche, die nahe am Herrn sind und solche die noch näher am Herrn sind.
Die Liste kann beliebig weitergeführt werden...

In der Unterschiedlichkeit von uns Menschen ist der Konflikt vorprogrammiert. Und ohne Eingreifen würde es immer zu Trennung kommen müssen. Aber manches Eingreifen ist völlig daneben. Gleichschaltung, uniformieren wären falsch. Das Trennende verschweigen oder verdrängen ist ebenfalls keine Lösung.
Der Missionar Paulus dagegen greift ein, indem er die Gemeinde ermahnt. Er bittet sie, er ermutigt sie, anders zu leben.

Epheser / Kapitel 4
1 Vergesst nicht, dass ich für den Herrn im Gefängnis bin. Als sein Gefangener bitte ich euch: Lebt so, wie Gott es von denen erwartet, die er zu seinen Kindern berufen hat. 2 Überhebt euch nicht über andere, seid freundlich und geduldig! Geht in Liebe aufeinander ein! 3 Setzt alles daran, dass die Einheit, wie sie der Geist Gottes schenkt, bestehen bleibt durch den Frieden, der euch verbindet. 4 Gott hat uns in seine Gemeinde berufen. Darum sind wir ein Leib. In uns wirkt ein Geist, und uns erfüllt ein und dieselbe Hoffnung. 5 Wir haben einen Herrn, einen Glauben und eine Taufe. 6 Und wir haben einen Gott. Er ist der Vater, der über uns allen steht, der durch uns alle und in uns allen wirkt.

Und es gibt sogar solche, die offene Ohren haben und das hören. Und davon gibt es wiederum solche, die sich das zu Herzen nehmen. Und wer weiss, vielleicht gibt es auch noch solche, die es dann sogar noch tun. Und dieser setzt alles daran, dass die Trennung nicht kommt. Er überhebt sich nicht über die Andern. Er ist freundlich. Er ist geduldig. Er hat Liebe für den Andern. Er geht auf den Andern zu.
Und wenn alle täten wie der tut, wäre alles gut. Das wäre das Ideal. So sieht das Ziel aus.
Aber es ist nicht so. Wir finden oft nicht die Einheit in der Vielfalt.
Es gibt immer wieder Trennung. Das ist tägliche Erfahrung.
Als Kirche sind wir gespalten – und immer wieder gibt es Spaltungen.

Und nicht nur im Grossen, auch bei uns gibt es immer wieder Trennung:
Gruppen trennen sich von der Gemeinde – weil sie einen besseren Weg sehen.
Menschen trennen sich von der Gemeinde weil sie – enttäuscht sind, zuwenig bekommen haben, es ihnen einfach nicht passt, sie ungehorsam sind, sie ausgestossen wurden, sie sich nicht wohl fühlten,…
Es gibt die Spaltung mitten durch den Leib Christi, die Kirche, die Gemeinde.
Warum: Wegen unserer Sünde!
Ursache der Trennung ist immer Sünde.
Sünde ist Abspaltung, Trennung – sicher zuerst von Gott, dann aber auch mit Auswirkungen auf der menschlichen Ebene.

Was wir dagegen unternehmen ist zweifelhaftes Flickwerk: Wir organisieren – stellen Kirchenordnungen auf. Regeln die Sache mit Gesetzen. Wir reden, überzeugen, argumentieren. Wir erklären und wollen klären. Wir zwingen. Wir verweigern uns. Wir führen und fordern, verführen, manipulieren.
Jüngstes Beispiel ist Michael Guglielmucci, der als Prediger Christen zusammen brachte. Sie feierten hinreissende Gottesdienste vermeintlich im Heiligen Geist. Er operierte mit einem angeblichen Krebsleiden und pries Jesus als Heiler, sang ihm Lieder, Predigte mit so genannter Vollmacht. Doch nun stellte sich alles als Lüge heraus. (Siehe unter youtube, Stichwort „Michael Guglielmucci Healer, on Today Tonight, HillsongTV“). Ich lerne daraus: Einheit kann nicht produziert werden. Und nicht alles, was als Einheit daherkommt, ist es auch. Auf solche billige Einheit will ich verzichten!

Es gibt im Zusammenleben der Christen das Ringen nach Wahrheit, nach dem richtigen Weg. Meine Erfahrung dabei ist, dass da schnell Grenzen gezogen werden, die eng sind – man sagt dem dann „Klarheit“. Aber diese engen Grenzen spalten und trennen. Und der, der die Grenzen eng setzt hat genau gleich die Verantwortung für die Spaltung, wie der, der die Grenzen zu weit setzt.

Das prophetisches Wort erhielt ich in einem Gottesdienst in der vergangenen Woche: „Dass etwas entsteht am Kreuz.“
Ja, am Kreuz muss etwas entstehen, wenn es etwas werden soll. Am Kreuz von Jesus Christus ist die Lösung für unser Problem. Das Kreuz verbindet. Das Kreuz bildet die Brücke.
Gott will keine Trennung! Jesus ist gestorben,
damit wir Menschen die Trennung zu Gott überbrückt haben, damit wir die Trennung untereinander überbrücken können. Es ist der Heilige Geist, der zusammenführt.
Der Geist Gottes, der Heilige Geist schenkt (wie es im Epheser-Text heisst) die Einheit. Im dreieinigen Gott, am Kreuz finden wir zusammen, finden wir Einheit. Nicht Gleichschaltung – Echte Einheit in der Verschiedenartigkeit.
Uns eint ein Herr: Jesus Christus.
Wir sind ein Leib: Die Gemeinde.
Uns eint eine Hoffnung: Dass Jesus uns vorangegangen ist ins ewige Leben und wir ihm nachfolgen dürfen und gerettet werden.
Uns eint ein Glaube: Wir vertrauen auf Jesus.
Uns eint eine Taufe: Die Taufe auf diesen dreieinigen Gott: Vater, Sohn und Heiliger Geist.

Wir wollen unsere Grenzen soweit öffnen und weiten, dass der Heilige Geist uns die Einheit schenken kann. Wir wollen dem Heiligen Geist nicht im Wege stehen, dass er diese Einheit nicht schaffen kann. Da sind wir alle gefordert.

Die Spaltung gibt es nicht nur in der Kirche. Auch bei mir persönlich: Erfahrung mit Trennung, Spaltung, Zerrissenheit. Der Leib: Nicht ganz - verletzt. Der Geist: verwirrt, angefochten, verfinstert. Die Hoffnung: Zerbrochen. Die Liebe: Erkaltet. Der Glaube: Auf die Seite geschoben.

Auch hier ruft Gott. Er ruft zu sich. Offenbarung 22,17 „Der Geist (Der Heilige Geist) und die Braut (die christliche Gemeinde), sie sagen, komm. Und wer es hört, der spreche: Komm! Und wen dürstet, der komme; und wer da will, der nehme das Wasser des Lebens umsonst.“
Denn: 6 Wir haben einen Gott. Er ist der Vater, der über uns allen steht, der durch uns alle und in uns allen wirkt.

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