Samstag, Juni 20, 2009

Das Gastmahl

Willy Fries (1907-1980, Toggenburg): „Das grosse Gastmahl“

Das Bild hat zwei Lichtquellen – die Sonne als natürliches Licht und die Tischbeleuchtung durch das göttliche Licht. Rechtes Sehen braucht Licht.

Im Zentrum des Bildes ist der Tisch des Herrn Jesus. Das Reich Gottes. Im göttlichen Licht gibt es göttliche Nahrung: Nicht üppig aber in Fülle. Der Tisch biegt sich nicht vor Köstlichkeiten aber was es da gibt, ist Nahrung für das Leben – auch gerade für das Leben in Ewigkeit. Brot und Wein. Der Herr teilt selber aus. Hier kann ich mich setzen und ausruhen. Ein echtes Miteinander. Da drängelt keiner nach vorne – es gibt keine „Schlacht am Buffet“. Hier wird gegeben und genommen. In Frieden. Und der Herr sagt: „Kommt, denn es ist alles bereit.“

Dann sind aber oben im Bild die dunklen Gestalten. Mit Hüten und Handtaschen. In Mänteln stehen sie starr. Abgewandt vom Tisch des Herr. Dem göttlichen Licht den schwarzen Rücken zugewandt. Sie schauen zur natürlichen Lichtquelle – der Sonne. So als ob sie erleuchten könnte. Jeder für sich. Auf Distanz.
Sicher haben sie gekauft und genommen.

Übrigens waren die zuerst eingeladen an den Tisch des Herrn. Sie stehen noch immer nahe – aber sie sind nicht dabei. Sie werden nichts von der göttlichen Fülle bekommen. Sie trachten nicht zuerst nach dem Reich Gottes.
Wo man hinschaut, dahin geht man auch.

Die Menschen im Vordergrund. Sie nehmen mehr als die Hälfte des Bildes ein. Es sind Krüppel, Behinderte, Schwache, Arme, Blinde, Gelähmte. Übrigens wird hier nicht gefragt: warum? Ursache? Es wird auch (noch) nicht geheilt. Sie kommen wie sie sind. Sie schauen zum göttlich beleuchteten Tisch und gehen von der Dunkelheit ins Licht. Sie stehen vom Boden auf, wo sie lagen. Sie bewegen sich im Gegensatz zu den starren Menschen oben. Mann und Frau zusammen. Einander stützend. Und wer am Tisch sitzt sieht gut genährt aus.
Der Maler Willy Fries hat seine Initialen hier hineingeschrieben – er positioniert sich hier!

Wo liege, stehe gehe ich im Bild?

Es ist die Einladung von Jesus Christus. Er ist Gastgeber. Er will mir Gutes auftischen. Er will mich beschenken. Er lädt mich an seinen Tisch ein!

Der Bibeltext dazu: Lukas 14,16 "Ein Mann bereitete ein großes Festessen vor, zu dem er viele Gäste einlud. 17 Als alles fertig war, schickte er seinen Boten zu den Eingeladenen: 'Alles ist vorbereitet, kommt!' 18 Aber niemand kam. Jeder hatte auf einmal Ausreden. Einer sagte: 'Ich habe ein Grundstück gekauft, das muss ich unbedingt besichtigen. Bitte entschuldige mich!' 19 Ein anderer: 'Es geht leider nicht. Ich habe mir fünf Gespanne Ochsen angeschafft. Die muss ich jetzt ansehen!' 20 Ein dritter entschuldigte sich: 'Ich habe gerade geheiratet. Du wirst verstehen, dass ich nicht kommen kann.' 21 Der Bote kehrte zurück und berichtete alles seinem Herrn. Der wurde sehr zornig: 'Geh gleich auf die Straßen, auf alle Plätze der Stadt, und hole die Bettler, Verkrüppelten, Gelähmten und Blinden herein!' 22 Der Bote kam zurück und berichtete: 'Es sind viele gekommen, aber noch immer sind Plätze frei!' 23 'Geh auf die Landstraßen', befahl der Herr, 'und wer auch immer dir über den Weg läuft, den bring her! Alle sind eingeladen. Mein Haus soll voll werden. 24 Aber von denen, die ich zuerst eingeladen habe, wird keiner auch nur einen einzigen Bissen bekommen.'"

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Donnerstag, Februar 26, 2009

Der Sämann




Bild von van Gogh:
Zuerst sticht mir die goldene Sonne im Hintergrund ins Auge. Sie wirkt wie ein Heiligenschein über dem Sämann. Dieser arbetiet gebückt, konzentrier, eifrige, erdig aber auch als dunkle Gestalt.
Er sät auf guten, fruchtbaren Ackerboden.
Der Baum aber macht einen Strich durch das Bild, einen Strich durch die Rechnung. Er steht im Weg.
Er steht für:
Den Weg, auf dem nichts wächst.
Den felsigen Boden, auf dem heranwachsendes verdorrt.
Die Dornen, die die Saat ersticken.
Den Teufel, der versucht alles zunichte zu machen.
Die Sorgen, die wie ein dunkler Schatten über dem Acker liegen.
Und die Vögel warten im Geäst des Baumes, auf dass sie bald lospicken können.
Der Baum hat wohl auch keine Wurzeln – er steht schief und er ist krank.

Dieses Gleichnis gilt ganz sicher für die Andern: Die, die nicht auf das Evangelium hören, die, die nichts von Gott wissen wollen, denen alles andere wichtig ist, denen ich schon einiges von Jesus erzählt habe, aber der Same in ihrem Herzen ist nicht aufgegangen. Und wir finden in diesem Gleichnis irgendwie eine Erklärung dafür.

Aber zuerst und dann immer wieder geht dieses Gleichnis mich etwas an.
Bei mir finde ich eben auch diesen „Weg“: Ich bin hart, baue eine Mauer, so dass das Wort Gottes nicht in mein Herz dringen und aufgehen kann.
Der felsige Boden: Ja sicher, wenn ich in meinem Leben zurückschaue, ist das Wort Gottes durchaus aufgegangen – Zeiten der Begeisterung - aber dann ist es auch vertrocknet, saftlos wächst es nicht mehr weiter. Die Nachhaltigkeit fehlt. Die Wurzeln fehlen.
Dornen/Disteln: Konkurrenz von Andern „Pflanzen“: Sorgen des Alltags, Verführung durch den Wohlstand, Jagd nach Freuden dieses Lebens – da wächst auch nichts mehr.
Es gibt keine Frucht.

Zur Information: Israels Ackerbau zu damaliger Zeit: Zuerst wurde gesät und erst dann gepflügt. Das erklärt, warum der Sämann auch auf Wege, auf nicht sichtbare Felsen und in das Unkraut der Disteln gesät hat.

Was sollen wir denn tun?
Sollen wir den Baum aus dem Bild entfernen? Das können wir nicht!
Wir können beim Säen den Weg, den Felsen und die Dornen nicht erkennen.

Aber wir können Gott vertrauen.

Er sagt: Jesaja 55,8-11:
8 Denn meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht der HERR, 9 sondern so viel der Himmel höher ist als die Erde, so sind auch meine Wege höher als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken. 10 Denn gleichwie der Regen und Schnee vom Himmel fällt und nicht wieder dahin zurückkehrt, sondern feuchtet die Erde und macht sie fruchtbar und lässt wachsen, dass sie gibt Samen zu säen und Brot zu essen, 11 so soll das Wort, das aus meinem Munde geht, auch sein: Es wird nicht wieder leer zu mir zurückkommen, sondern wird tun, was mir gefällt, und ihm wird gelingen, wozu ich es sende.

Sein Wort kehrt nicht leer zurück.
Denn Samen fällt auch auf guten Boden: Auf vorbereitete Herzen, auf fruchtbare, offene Menschen.
Und da verwandeln sich diese wenigen Samenkörner in das Hundertfache an Frucht und Ertrag.
Das geschah immer wieder – darum gibt es die Kirche immer noch. Und das geschieht auch heute, auch bei uns!
Das ist eine Zusage Gottes, die heute und jetzt noch gilt und wahr ist. Wir müssen nicht auf den steinigen Boden unserer Umgebung fixiert sein.
Wir dürfen teilhaben an der Frucht, die Gott schenkt.

Da wird die Frage nach der Effizienz unserer Evangelisations-Methoden wie zweitrangig. Es liegt nicht an uns – Gott macht die Frucht.

Wir haben nur folgendes zu tun – das aber gründlich:

Treu und grosszügig säen! – auch wenn nicht ganz klar ist, ob da jetzt fruchtbarer Boden vor uns liegt.

Und – das müssen wir voranstellen:

Hebräer 3,15: Heute, wenn ihr seine Stimme hören werdet, so verstockt eure Herzen nicht.

Es ist der dreieinige Gott, der in mein Herz sprechen will. Ist es offen?

Lies den Artikel „christliche Meditation“ in diesem Blog. Hier führe ich näher aus, wie wir bei uns guten Ackerboden erhalten und diesen bebauen können.

Tiefer:
In diesem Gleichnis vom Sämann und dann besonders im Vers 10 lernen wir den notwendigen Prozess kennen, der für unser geistliches Leben so wichtig ist: Unser Sehen von Jesus muss zu einem inneren Erkennen werden. Unser Hören des Wortes Gottes muss zu einem inneren Verstehen werden. Dieser Vorgang wird durch die im Gleichnis beschriebenen Hindernisse gehemmt: Teufel, Anfechtung, Sorgen, Reichtum, Jagd nach Freuden des Lebens,… Darum reicht es nicht, das Wort Gottes zu sehen und zu hören – es muss noch dieses Herz vorfinden, das das Gleichnis mit dem guten Ackerboden meint. Das ist unser Herz, das offen ist, das nicht versteinert ist (Hesekiel 11,19), das lebt und schlägt, das durchblutet ist (im biblischen Denken ist im Blut das Leben), das voll Heiligen Geistes ist. Das ist der gute Boden, auf dem das Wort Gottes wachsen kann, Wurzeln schlagen kann, bewahrt wird und sich zu guter Frucht entwickeln kann.

Darum noch einmal - Lies den Artikel „christliche Meditation“ in diesem Blog. Hier führe ich näher aus, wie wir bei uns guten Ackerboden erhalten und diesen bebauen können.

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